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Warum schreibe ich?

Heute wurde ich gefragt, warum ich eigentlich Bücher schreibe. Darüber musste ich etwas nachdenken, in die Stille hinein kam die Begründung zur Frage: Du bist nicht der Typ, der den Bestseller für sein Ego braucht.

Nahaufnahme einer Hand, die mit einem Stabilo Pen in einem Ringblock schreibt.

Stimmt so weit. Nicht, dass ich mich beklagen würde, wenn ich einen Bestseller publizieren würde. Aber das ist nicht mein Antrieb. Interessanterweise musste ich an ein Buch denken, als mir diese Frage gestellt wurde: "The Subtle Art of Not Giving a F*ck" von Mark Manson.

Er beschreibt darin eine Erinnerung an seinen Traum, Gitarrist zu werden, auf der Bühne vor einer jubelnden Masse Fans zu stehen. Dieser Traum ging nicht auf, und er realisierte, warum nicht: Weil er es gar nicht wollte. Oh, er sehnte sich nach dem Ergebnis, der Bühne - aber eben nicht nach dem Weg dorthin: Dem Üben. Er hatte eine Freude daran, sich den Gipfel vorzustellen, konnte aber das Klettern nicht leiden. Er liebte die Belohnung, aber nicht den Kampf darum. Nicht den Kampf, sondern nur den Sieg.

Aber nur, wenn du den Prozess liebst, das Mühsal von Üben, Machen, Schaffen, Scheitern und doch wieder Weitermachen: nur dann wirst du es auch schaffen. Er geht sogar so weit, dass er sagt: "Who you are is defined by what you're willing to struggle for." ("Wer du bist, wird davon festgelegt, worum du zu kämpfen bereit bist.")

Bei mir ist es das Schreiben. Es ist nicht die Hoffnung auf den Bestseller. Dafür bin ich zu realistisch. Auch nicht die Hoffnung, durch die Presse zu gehen oder bei Signierstunden eine Schlange rund um den Block zu erzeugen. All das fände ich fantastisch, keine Frage. Aber letzten Endes schreibe ich, weil ich schreiben will. Mit all seiner Agonie - wenn man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Wenn die Charaktere unrealistisch wirken. Wenn die Spannung nicht entstehen will. Wenn alles nur nach Platitüden klingt.

Dann tut das Schreiben weh - so wie bei Mark Mansons Traum die Finger vom Gitarreüben wehtun. Aber ich liebe es trotzdem, dieses verrückte Geschreibe. Dieses High, wenn die Worte zusammenfinden, wenn die Handlung sinnvoll zum Klimax steuert. Wenn Charaktere ein Eigenleben entwickeln und ich selbst überrascht davon werde, wie sie agieren. Wenn ich in den Flow komme und die Seiten sich nur so füllen.

Die guten wie die schlechten Seiten des Schreibens - ich liebe sie. Und darum schreibe ich.



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