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Mallorca

Kapitel 1 - Anreise

Entspannter kann ein Urlaub eigentlich nicht beginnen – Abflug um 17:10 Uhr, das heißt gemütlich aufstehen, die letzten Erledigungen verrichten und man kann sogar das Geschirr noch abspülen. Dann geht es aber los, kurz nach eins zum ersten Bus. Dieser fährt zum Bahnhof, wo schon Bus Nr. 2 wartet. Der wird uns bis zum Euroairport Mulhouse bringen, zuvor aber werden noch einige Sandwiches für unterwegs erstanden.

Auf dem Flughafen, wo wir wenig später eintreffen, stellen wir zunächst einmal fest, dass es tatsächlich noch unterschiedliche Reiseveranstalter gibt. Die nette Dame am Stand der Tui verweist uns nämlich auf den von Neckermann/Thomas Cook. Dort erhalten wir auch unsere Unterlagen, und können uns fröhlich zum Check-In begeben. Abgesehen von der erschreckend langen Wartezeit folgte gleich noch ein Schock: Der junge Herr am Schalter war nämlich überzeugt, dass die hübsche Perserin ein Schengenvisum bräuchte, um nach Spanien einzureisen. Auch der Hinweis, dass das Konsulat Spaniens da anderer Meinung sei, flößte ihm nicht genug Vertrauen ein. Lieber erkundigte er sich bei seiner – unwissenden – Schalternachbarin und rief dann sogar irgendwo in den samtausgeschlagenen Räumen der Chefetage an. Dort bekam er aber Bescheid, dass so eine deutsche Aufenthaltsgenehmigung auch in Spanien einen gewissen Wert hat, und endlich erlaubte er uns, unser Gepäck einzubuchen.

Erfolgserlebnis: Beim Gewicht meines Backpacks hatte ich mich nur um 0,3 Kilo verschätzt. Misserfolg: Bei Jilas Koffer um ganze 1,7 Kilo. Muss also doch noch etwas üben. Insgesamt aber waren unsere Taschen leicht genug, und auch das Handgepäck innerhalb des vorgeschriebenen Limits, und wir durften unsere Bordkarten in Empfang nehmen. Kein Wunder, dass die Schlange nur so langsam vorwärts kam.

Einen weiteren Nebeneffekt hatte die Verwirrung: Er hatte nämlich mich schon eingetippt, bevor er über Jilas Ausweis stolperte, und sie trug er dann erst mit einiger Verzögerung ein. Erst vor dem Gate fiel uns auf, dass wir einige Plätze auseinander sitzen sollten. Verzweiflung ob der zwei Stunden Getrenntheit machte sich breit, aber nach dem Start konnten wir in die leere erste Reihe wechseln, und wurden für die kurzfristige Entbehrung mit ungewöhnlicher Beinfreiheit belohnt.

Die Ankunft in Mallorca, nun wird es sich zeigen, ob Jilas Deutsche Aufenthaltserlaubnis wirklich ausreicht, um nach Spanien einzureisen. Ich weiß es immer noch nicht. Es war niemand da, der irgend etwas sehen wollte. Schengen ist großartig, merkt euch das, liebe Briten! Nun genossen wir die dritte Busfahrt des Tages, zumindest nachdem wir noch einige Zeit auf weitere Fluggäste gewartet hatten. Eine beschauliche Inseldurchquerung und diverse Stopps vor schicken Hotels später hatten wir das Eden Alcudia erreicht. Endlich sind wir angekommen, es ist zwar bereits dunkel, aber in der Luft liegt Salz und Tanggeruch, das Meer ist nicht fern, es kann also nur gut werden. Noch rasch einchecken, in den Fahrstuhl und – Moment. An dem einen Fahrstuhl hängt ein schönes Out-of-Order Schild, und der andere kommt nicht, wenn man ihn ruft. Der Hotelsklave spurtet diverse Stockwerke nach oben und endlich bewegt sich der Fahrstuhl nach unten. Spielende Kinder hätten ihn blockiert. Dass er zehn Minuten später mit einem identischen Schild wie sein Kollege geziert wird, lässt aber Ungutes vermuten. Immerhin hat er unsere Koffer sicher nach oben gebracht, und wir werden in Zukunft Treppen steigen. Das ist gesund und hält fit, nicht wahr?

Das Zimmer ist so wie man es erwartet hätte, mit einer Ausnahme: Da ist kein Doppel-, sondern zwei Einzelbetten. Also die Treppen wieder nach unten, und den Hotelsklaven interviewt. Wir hätten ein Studio gebucht, da sei das immer so, und einen Upgrade auf ein Appartement könne er leider nicht machen, da diese ausgebucht seien. Ich muss mal gelegentlich im Brockhaus nachschlagen, ob da tatsächlich in einem Nebensatz unter „Studio“ steht: Wird grundsätzlich nicht mit Doppelbetten eingerichtet.

Also vier Treppen nach oben, und noch etwas Möbelrücken spielen, immerhin passen die zwei Betten hervorragend aneinander, und wir haben auch etwas, um die Lücke dazwischen zu überbrücken.

Obwohl wir gerade von Betten reden, ist es für uns noch nicht Schlafenszeit, wie könnten wir auch gerade erst angekommen schon schlafen. Also noch hinaus auf die immer noch Wärme ausdampfenden Straßen, wir schlendern etwas durch die Nacht, genießen nach kurzer Besteck-Verwirrung (immer die gierige Jila, die alles haben will) Spaghetti und Pizza. Das ist ungefähr so Spanisch wie es Italienisch ist, also nicht verkehrt. Noch ein bisschen laufen wir an der Straße entlang, schwenken dann um und kehren am und etwas im Meer zurück zum Hotel. Jetzt ist Schlafenszeit.

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