kurze Einleitung:
Zwei Dinge möchte ich vorweg sagen: Erstens navigiert man mit den Pfeilen (
und
), die sind jeweils oben und unten rechts auf den Seiten versteckt. Zweitens sind die Fotos alle nicht von mir, sondern von Gerrit, Ruth und Frank. Die haben nämliche so tolle Digitalkameras, mit denen man sich das lästige Einscannen sparen kann.
Jetzt aber viel Spaß mit der:
Taiwanreise - Kapitel 1
Wie beginnt ein normaler Chinabericht? Mit dem Wetter natürlich. Da bildet auch dieser Chinabericht keine Ausnahme. Man könnte meinen, dass sogar das Wetter hier in Taiwan am schwitzen ist. Jedenfalls klebt die Luft selbst. Man meint fast, sie als klebriges Etwas greifen zu können. Bei genauerer Überlegung will man das aber gar nicht, und fängt stattdessen an, selbst zu schwitzen, und das nicht zu knapp. Kaum verlässt man seinen voll klimatisierten Raum, schon muss man sich durch einen drückenden Vorhang schieben. Aber Taiwan gehört nicht etwa zu den Ländern, in denen man alle fünf Minuten duschen möchte. Das würde man zwar gerne machen, aber man hat keine Zeit dazu. Was also hat sich diese Tage schon ergeben?

Ankunft war am 8. August, und diese Ankunft verlief in mehreren Phasen: Ankunft in Taipeh, Ankunft in Gaoxiung, Ankunft in Tainan, Ankunft unter der Dusche im Studentenwohnheim. Jaja, das Studentenwohnheim. Von der Vorderseite kann man schon erkennen, dass einige wenige Zimmer des Wohnheims tatsächlich über eine Klimaanlage verfügen. Von diesen Zimmern belegen wir ca. 90%. Eigentlich auf vier Personen ausgelegt (es gibt zumindest vier Betten) belegen wir die Zimmer jeweils zu zweit. Von den Betten einmal abgesehen ist alles andere nur doppelt vorhanden: wie z.B. zwei Netzwerkanschlüsse im Zimmer, mit denen man einfach so ins Internet kann. Jepp, da muss der Stefan doch tatsächlich nach Taiwan fliegen, um endlich auch mal in der eigenen Wohnung einen Netzanschluss zu haben.
Was die vier Betten angeht, so handelt es sich dabei um zwei Kopf an Kopf stehende Doppelbetten. Das ist sehr praktisch, da die Betten etwa einen Meter achtzig lang sind. Die erste Nacht haben Gerrit (Zimmerkollege) und ich noch versucht, unsere Füße aneinander vorbei zu manövrieren, in der zweiten Nacht ist er schon einen Stock höher geflohen.
Was die Größe meiner Mitreisenden angeht, so fühle ich mich mehr denn je als Zwerg: Wären die beiden Damen nicht, könnten alle auf mich herabsehen. Und die meisten davon von ziemlich weit oben. Eine genauere Vorstellung der Gruppe wird folgen, zumindest von dem Teil, der mich in wenigen Tagen nach Xinzhu begleiten wird.
Denn bevor ich nach Xinzhu zu meiner Praktikumsstelle aufbreche, habe ich hier in Tainan erst noch eine Einführungswoche mit umfangreichem Programm. Am ersten Tag fand eigentlich nur der Bezug des oben genannten Zimmers sowie die chinatypische Fressorgie am Abend statt. Das Programm reichte wohl auch vollauf, da kaum einer von uns nach 30 Stunden auf den Beinen noch so richtig frisch war, wenn dann noch ein Bankett dazu kommt, bei dem das Bier gleich in Holzfässern auf den Tisch gestellt wird, obwohl gar kein Platz mehr übrig ist weil schon überall Teller mit den leckersten und leider auch Fischgerichten alles bedecken, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat und wie lange man am Abend noch auf zwei Beinen stehen wird.
Ach, eins habe ich noch vergessen: Wir haben schon eine wunderbare Mappe mit Informationen zu Tainan und dem Programm bekommen, dazu noch ein T-Shirt und ein Adressbuch - eigentlich warte ich noch auf die Werbe CD.
Der folgende Tag begann zu für chinesische Verhältnisse wohl durchaus angemessener Zeit, nämlich um 8 Uhr. Ja, ihr Informatiker, ich meine 8 Uhr morgens. Da musste man schon brav geduscht und angekleidet im Gang stehen, um sich zum Frühstück begleiten zu lassen. Gleich danach wurden wir zu einem Empfang gebeten, auf dem nicht nur diverse hohe Tiere der Universität, sondern auch eine Sekretärin (und damit ist wohl keine Tippse, sondern ebenfalls ein hohes Tier gemeint) des NSC und der Vizerepräsentant der Deutschen Zweigstelle in Taipeh da. Ich drücke mich hier nicht unnötig kompliziert aus, aber Deutschland hat nun mal weder Botschaft noch Botschafter in Taiwan, darum diese seltsamen Namenskonstrukte. Natürlich wurde dazu auch ein opulent gedecktes Buffet geboten - wir hatten ja gerade eben erst gefrühstückt. Man sagt ja immer, die Chinesische Küche sei hervorragend. Ist sie auch. Immerhin übt sich ein Chinese auch etwa sieben Mal am Tag darin, etwas zuzubereiten. Der arme Westler muss sich dann entsprechend darin üben, selbiges zu vernichten. Was er mit Freuden aber stetig wachsendem Völlegefühl tut.
Nachdem sich die fröhliche Runde (ja, richtig, alle standen steif da und haben versucht, Themen zu finden, über die man sprechen könnte) aufgelöst hatte fing der erste Sprachkurs an. Ich sage jetzt mal nichts dazu. Aber ich wusste schon vorher, was ein Schriftzeichen ist. Nach diesem Kursus kam das Unvermeidliche: Mittagessen. Auf den Gesichtern meiner Mitstudenten zeichnete sich das erste Entsetzen ab, die Hände glitten zögernd über spannende Bäuchlein, und die Zähne knirschten, ob in freudiger Erwartung oder als Streikandrohung, vermag ich nicht zu sagen. Aber auch diese neuerliche Herausforderung wurde mit Bravour bestanden. Nicht bestanden haben wir allerdings den anschließenden Vortrag über moderne chinesische Architektur. Eigentlich nicht unspannend, aber anhand von Dias in dunklem Raum vorgeführt und zeitlich ungeschickt gelegen schaffte allein Ruth es, nicht kurzfristig einzuschlafen. Aber auch sie gestand später, dass es eine harte Prüfung war, und ihre Augen auch nicht durchgängig geöffnet waren.


