TAG 9

Wieder einmal ein Museumstag, das Museum für Chinesische Kunst steht auf dem Programm. Es war allerdings nicht so sonderlich berauschend: Einige kleinere Ausstellungen moderner Kunst wurden unter einem Dach vereint. Soweit, so gut, aber an die klassische Kunst kommt die moderne bei weitem nicht heran. Es wirkte einfach zu westlich, nicht wirklich schlecht, aber eben westlich in Kombination traditioneller chinesischer Elemente. Nicht sonderlich berauschend, auch wenn das künstlerische Niveau natürlich sehr hoch war.

Wirklich eklig sind Hocktoiletten. Noch ekliger, wenn sie keine Türen haben.

Die Frau, die vor dem Museum Pinsel Schreibutensilien verkaufte, konnte selbst weder lesen noch schreiben.
Wieder einmal habe ich ein Verkaufsgespräch mit einem Chinesen geführt: Sein Laden: Einer dieser vergrößerten Schränke mit Theke davor. Mein erster Satz: Ich will nichts kaufen. Seine Antwort: Sieh Dir doch einmal das hier an." Er zaubert ein Parfumfläschen, angeblich aus der Qing-Dynastie, also zwischen 77 und 355 Jahre alt. Auf der Straße hat sich bereits die Familie des Verkäufers versammelt, jeder will miterleben, wie Vater sein unglaubliches Verhandlungsgeschick bei diesem Teufel aus Übersee anwendet. Er bricht fast durch den Boden, als er mir zeigen will, wie weit er mit dem Preis heruntergeht. Nachdem er diese gymnastische Übung öfters wiederholt hat, tippt er in seinen Taschenrechner zunächst eine 2 ein. Dann überlegt er eine Sekunde, wieviel kann man mir wohl aus der Tasche ziehen? Es folgen noch zwei Nullen. Um ihn nicht zu beleidigen, das sein Fläschlein diese Summe nicht wert sei, weise ich darauf hin, daß es nicht erlaubt ist, Antiquitäten aus China zu exportieren. Er kann meinen Glauben an dieses Gesetz (das es auch gibt) nicht erschüttern. Schließlich schlägt er mir vor, diese überaus wertvolle Antiquität doch zu schmuggeln. Ich gehe, bzw. mache einen Schritt rückwärts.

Fast auch schon eine Sehenswürdigkeit war das Abendessen bei Freunden unserer Sprachlehrerin, Frau Guo Li: Da bog sich der Tisch unter der Fülle des Angebots! Xiexie nimen!

Seit dem Regenschauer nach dem Essen bei den Freunden von Frau Guo Li ist es verhältnismäßig kühl geworden. Offensichtlich hat die Bestie sich ausgetobt.


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