TAG 1

Man sagt manchmal, die Hitze träfe wie ein Schlag ins Gesicht. Beim Verlassen des Pekinger Flughafens lernten wir die Kungfuversion kennen. Innerhalb kürzester Zeit waren sämtliche Kleidungsstücke von Schweiß durchtränkt und man meinte schon fast, aus ihnen Wasserdampf aufsteigen zu sehen. Man sieht ihn aber nicht, weil er sofort im omnipräsenten Dunst aufgeht. Dieser Dunst scheint eine Mischung aus Wasser, Kohlendioxid, Ozon und Ruß zu sein. Sauerstoff ist nur in Spurenelementen zu finden. Sollte die Luft allerdings noch dicker werden, brauchen wir eine Machete zur Fortbewegung.

Der Taxifahrer gibt sich reichlich Mühe, uns schnell durch den Pekinger Verkehr zu bringen. Wenn irgendwo 10 cm Platz sind, dann paßt sein Auto noch ohne weiteres rein. Weiterhin kann man davon ausgehen, daß kein anderes Auto vorfahrtberechtigt ist. Schon gar nicht, wenn die eigene Ampel rot zeigt. Außerdem ist gegen einen kleinen Zwischenstop auf dem Zubringer nichts einzuwenden, wenn man mal kurz das Gepäck im Kofferraum zurechtrücken will. Am Ende der Fahrt wird dann abkassiert. Da wir westlich aussehen, nicht zu knapp, der ausgeschriebene Preis ist eben nur ein Anhaltspunkt. Es kommt zu einer interessanten Diskussion am Straßenrand, dabei führt unser Chauffeur und einheimische Bräuche vor: Spucken. Eine alte Dame am Wegesrand hat aber offensichtlich mehr Übung: Sie braucht kein Taschentuch und spuckt auch nicht, entledigt sich ihres Schleimes aber trotzdem mit Leichtigkeit. Die Diskussion endet schließlich, und wir zahlen nur ein Drittel des ursprünglich geforderten Preises.

Das Hotel ist klimatisiert. Die Hitze draußen poltert und schreit, darf aber trotzdem nicht rein.

Ganze drei Angestellte kümmern sich um uns. Die erste übersetzt unser chinesisch/englisch Gemisch ins Chinesische. Die zweite hört ihr zu und erklärt dann der dritten, was diese machen soll. Danach lachen alle drei.

Unser Zimmer ist toll: es hat 3 Betten, einen Schrank, Tisch und Nachtisch und einen Fernseher. Direkt hinter der Tür kann man die Füße auf den Boden setzen, zwischen den Betten auch. Wenn man schmale Füße hat. Die Rohrleitungen im Bad liegen frei. Man sieht sie allerdings trotzdem nicht - zu sehr bewachsen. Aber immerhin hängt über den Zahnputzgläsern und der Klobrille ein Zettel: "sterilized".

Manche Geräusche muß man gesehen haben, sie sind nicht beschreibbar. Ein Beispiel aus dem Bus: Jahrhunderte alter Stahl birst unter dem Quietschen 70 schreiender Ratten bedeutet soviel wie: wir fahren um eine Kurve.

In den Straßen Pekings reiht sich ein kleiner Laden an den nächsten. Dabei ist klein wörtlich zu nehmen, teilweise paßt nicht einmal der Ladenbesitzer selbst hinein. Der sitzt dann gemütlich in einem Liegestuhl vor seinem Laden, zumeist oben ohne - Frauen bilden natürlich eine Ausnahme. Sehr vernünftig, denn trotz der späten Stunde schleicht die Hitze immer noch durch die Gassen Pekings und sucht arglose Opfer.

Es ist nicht einfach, Abendessen zu bestellen. Wir deuten einfach auf die hübschesten Schriftzeichen. Der Kellner lächelt und sagt etwas. Wir lächeln und antworten. Er erwidert etwas. Wir antworten noch einmal. So geht es noch eine Weile hin und her, dann geht er. Ich weiß nicht, worüber wir geredet haben. Er vermutlich auch nicht. Aber er sah glücklich aus, als er ging. Das Essen ist allerdings sehr lecker und günstig.

Nur wenige Hunde und Katzen sind auf der Straße. Die wenigen, die man sieht, sind sehr brave Haustiere: lieb, zurückhaltend, leise, unauffällig, verspielte Kuscheltiere also. Instinkt funktioniert also doch, diese Tiere wissen ganz offensichtlich von der nächste Schmorküche...

 


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